Zwischen den Welten - Aspekte einer kultur- und migrationssensiblen Beratung - Online-Seminar
Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft, deren Angehörige eine große kulturelle Vielfalt aufweisen. Psychologische und Psychosoziale Beratung ist demzufolge immer auch eine interkulturelle Begegnung, in denen Unterschiede sehr offensichtlich sind und/oder gemacht werden und die Beteiligten vor neue Herausforderungen stellen. Das „Problem“ des Unterschieds beginnt schon mit der mit der Bezeichnung der Anderen: Wie werden diese sowohl auf individueller als auch gesellschaftlicher Ebene benannt und welche Bedeutungen werden mit den Bezeichnungen verbunden?
Und dann sind sie da, die Unterschiede in der Beratung, ob gefühlt, real oder konstruiert: Ich begegne einer Frau aus einer chinesischen Großstadt kommen, die auf meine Frage, was sie sich in der Beratung wünsche, nur freundlich lächelt. Oder einem Mann, von dem ich nur annehme, dass er aus einer eher traditionellen Gesellschaft stammt und der unter den Freiheiten, die seine Frau der gemeinsamen pubertierenden Tochter gewähren will, einfach nur leidet. Oder der deutschen Sprache nicht mächtigen Geflüchteten, die ich in der Schwangerschaftskonfliktberatung über ihre Möglichkeiten informieren soll. Oder dem deutsch-brasilianischen Paar, wo die brasilianische Frau von ihrem Mann erwartet, dass er sie finanziell versorgt und sie begehrt, während ihr deutscher Partner über seine Alltagserlebnisse und Gefühle mit ihr sprechen möchte. Oder der jungen Frau aus dem Senegal, die nach ihrem Studium einen reichen Mann heiraten und Hausfrau und Mutter werden wird…
Konzept
In allen Beispielen handeln die Menschen einerseits aus ihrem kulturell geprägten Verständnis heraus, das sich meist einer Reflexion entzieht und somit automatisiert oder vorbewusst ist. In der Beratung werden diese Vorstellungen im Vergleich zu den eigenen oftmals als „anders“, „unterschiedlich“, „nicht ganz passend“ erlebt. Um sie verstehbar zu machen, werden einerseits Analogien und Ähnlichkeiten im eigenen Erleben oder in der eigenen Kultur gesucht (gefunden) oder unüberbrückbare Unterschiede postuliert.
Andererseits hat das Erleben eines Migrationsprozesses Auswirkungen auf diese Unterschiede. All die oben geschilderten Menschen befinden sich in einer transkulturellen Überschneidungssituation in der Fragen des Abschieds und Neubeginns, der Trauer und der Zukunftsfreude sowie der Identität eine Rolle spielen.
Wie kann nun das Kulturelle und Migrationsspezfische in den Unterschieden besser verstanden und für die Beratung „nutzbar“ gemacht werden? Das Seminar möchte sich diesem Thema stellen. Ausgehend von theoretischen Inputs zu kultur- und migrationsspezifischen Aspekten und deren Psychodynamik werden anhand von Fallbeispielen die Genese und Dynamik von Unterschieden in der interkulturellen Begegnung sowohl theoretisch als auch praktisch verdeutlicht und sich ergebende methodische Konsequenzen diskutiert.
Literatur:
Merbach, Martin (2019). Sich irritieren lassen - Fremdheit und Befremden in der Beratung geflüchteter Menschen. Göttingen: V&R.
Zielgruppe
Berater*innen aus Ehe-, Familien-, Erziehungs- und Lebensberatungs-, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen sowie angehende und niedergelassene psychologische und ärztliche Psychotherapeut*innenSa., 25.04.2026 | bis 13:00 Uhr

