Zwischen Nähe und Funktion – Psychoanalytische Supervision in beziehungsintensiven Berufen
Beziehungsintensive Berufe, in denen Verantwortung für das seelische Wohlergehen anderer getragen wird – sei es in Supervision, Therapie, Coaching oder medizinischen Berufen –, bewegen sich in einem strukturellen Spannungsfeld: Einerseits sind Empathie und emotionale Nähe gefordert, andererseits verlangt die Funktion eine professionelle Distanz und institutionelle Verankerung. Diese Spannung generiert psychodynamische Prozesse, die sich der bewussten Steuerung oft entziehen: in der Beziehung zu den Klienten und Patienten ebenso wie in Teamdynamiken und Leitungsrollen.
Konzept
Gerade weil diese Prozesse unbewusst wirken, können sie – wenn sie unbeachtet bleiben – zu Rollenkonflikten, Erschöpfung, Beziehungsabbrüchen oder dysfunktionalen Teamstrukturen führen. Supervision ist deshalb nicht nur ein Mittel zur Fallreflexion, sondern ein notwendiger Ort, um unbewusste Übertragungs- und Gegenübertragungsdynamiken sowie institutionelle Verstrickungen zu erkennen, zu halten und verstehbar zu machen. Sie schafft Raum für professionelles Handeln, das sich seiner inneren und äußeren Bedingungen bewusst ist.
Dieser Workshop bietet ein psychoanalytisch fundiertes Reflexions- und Lernformat für Fach- und Führungskräfte, die mit psychisch belasteten Menschen arbeiten – und dabei selbst der Gefahr ausgesetzt sind, in unklare Rollen, Übertragungen oder Erschöpfung zu geraten. Im Zentrum steht die Frage: Wie lässt sich professionelles Handeln zwischen Nähe und Funktion halten, ohne auszubrennen oder sich abzugrenzen?
Zielgruppen
● Supervisor*innen, Coaches, HR-Verantwortliche
● Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen
● Mitarbeitende in psychosozialen Trägerstrukturen (z. B. AWO, Diakonie, Krisentelefone)
● medizinisches Personal mit Beziehungs- und Führungsverantwortung
● Psychoanalytiker*innen und Psychotherapeut*innen
Theorieimpulse und kategoriale Einführung
Ausgangspunkt dieses Workshops ist Freuds Entwicklung vom Nervenarzt zum Begründer einer Methode, die das Unbewusste als zentrale Dimension professioneller Beziehungen erschließt. Der Satz „Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus“ lenkt den Blick auf die psychodynamischen Kräfte, die nicht nur in Einzeltherapien, sondern auch in Teams und in Supervisionsprozessen wirksam sind – insbesondere dort, wo Verantwortung für das seelische Wohlergehen anderer getragen wird.
Psychoanalytisch orientierte Supervision geht davon aus, dass professionelles Handeln immer auch von unbewussten Anteilen geprägt ist – seien es Übertragungen von und auf Klienten, Konflikte innerhalb von Teams oder die Ambivalenzen, die mit Führungsrollen und institutionellen Aufgaben einhergehen. Ziel ist es, diese Dynamiken verständlich und bearbeitbar zu machen – nicht durch schnelle Lösungen, sondern durch das schrittweise Erkennen und Durcharbeiten.
Im Workshop werden zentrale Konzepte der psychoanalytischen Theorie und Haltung eingeführt: Übertragung, Gegenübertragung, Abwehr, Widerstand, Wiederholung, Genießen, Funktion, Abstinenz und das Setting als Container für Unbewusstes. Diese Konzepte werden nicht abstrakt, sondern praxisbezogen vermittelt – orientiert an typischen Szenen aus Supervisionssitzungen, Fallbesprechungen und institutionellen Zusammenhängen.
Ein besonderer Fokus des Workshops liegt auf der Beziehung zwischen den sog. Helfenden Berufen, Klient*innen bzw. Patient*innen und den jeweiligen Institutionen – dem sogenannten „Beziehungsdreieck“ –, wie es in Balint-Gruppen erstmals systematisch untersucht wurde. Michael Balints Beiträge zur Arzt-Patient-Beziehung markieren auch einen wichtigen Bezugspunkt für die psychoanalytische Supervision: nämlich ein reflexiver Raum, in dem die unbewussten und affektiven Grundlagen professionellen Handelns erfahrbar und verstehbar werden.
Ziel ist es, den Teilnehmenden ein fundiertes psychodynamisches Verständnis für das Arbeitsfeld der Supervision zu vermitteln, um unbewusste Dynamiken professionell zu begleiten und zu bearbeiten.
Elemente des Workshops
Soziale Traummatrix (jeweils am Morgen)
Die Soziale Traummatrix bringt das Unbewusste in den Raum – nicht individuell, sondern als kollektives Resonanzfeld der Gruppe. In einem Workshop zur psychoanalytischen Supervision schult sie die Wahrnehmung für latente Affekte, institutionelle Fantasien und atmosphärische Spannungen, wie sie in der Supervisionsarbeit zentral sind. Sie bietet damit einen erfahrungsbasierten Zugang zu jenem Zwischenbereich, in dem sich professionelle Rollen, persönliche Anteile und organisationale Dynamiken überlagern.
Fallarbeit, Rollenanalyse, kollektive Dynamiken
Anhand konkreter Situationen oder Fälle wird im Gruppenprozess an der Funktion professioneller Subjektivität gearbeitet: Wo kippt Nähe in Vereinnahmung, Distanz in Rückzug, Verantwortung in Erschöpfung? Wie werden Affekte im Team zirkuliert, abgespalten, delegiert? Welche Funktion übernimmt das Individuum in der institutionellen Gesamtmatrix?
Übertragung in die eigene Praxis
In gemeinsamen Beratungssequenzen besteht darüber hinaus Gelegenheit, die Ergebnisse des Workshops auf die eigene berufliche Praxis sowie auf laufende oder geplante Veränderungsprozesse in Organisationen zu übertragen – insbesondere dort, wo psychodynamische Spannungen und strukturelle Ambivalenzen Gestaltungsarbeit erschweren.
Nutzen für Teilnehmende
Dieser Weiterbildungs- und Trainingsworkshop bietet Ihnen:
Verständnis der Psychodynamik im Beziehungsdreieck Verantwortungsträger–Klient/Patient–Organisation
Stärkung der Selbst- und Fremdwahrnehmung der Kursteilnehmer
Erwerb fundierter psychoanalytischer Kompetenzen
Psychodynamisches Verständnis von spezifischen Konfliktstrukturen bei Menschen
Professionelle Sicherheit durch analytische Selbsterfahrung
Transkription des Theorieteils als PDF (kein Mitschreiben erforderlich)
Zielgruppe
Zielgruppen● Supervisor*innen, Coaches, HR-Verantwortliche
● Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen
● Mitarbeitende in psychosozialen Trägerstrukturen (z. B. AWO, Diakonie, Krisentelefone)
● medizinisches Personal mit Beziehungs- und Führungsverantwortung
● Psychoanalytiker*innen und Psychotherapeut*innen
So., 24.05.2026 | bis 14:30 Uhr
10117 Berlin
Dozent:in(nen)
Auguststr. 80
10117 Berlin

