Was weckt? - Einführung in die Arbeit mit der Sozialen Traummatrix für Organisationsentwicklung, Supervision und Gruppentherapie
Ein neues Format im deutschsprachigen Raum
Dieser Praxisworkshop ist die erste Fortbildung im deutschsprachigen Raum, die gezielt in die Arbeit mit der Sozialen Traummatrix einführt. Dieser Workshop vermittelt Geschichte und Wirkung der Traummatrix im arbeitsbezogenen Kontext und führt in Aufgabe und Rolle der “Hosts” ein. Der Praxisworkshop folgt dabei der Frage, wie das Format in der eigenen Einrichtung im Sinne der Team- und Organisationsentwicklung eingesetzt werden kann.
Leitung
Dr. Moritz Senarclens de Grancy, Psychoanalytiker, Supervisor und Berater in Berlin, regelmäßig als Social Dreaming Host auf Group Relations Konferenzen tätig. Co-Autor von „Social Dreaming. Einführung in die Arbeit mit der Sozialen Traummatrix für Organisationsentwicklung, Supervision und Gruppentherapie“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2023).
Emma Simionato, Beraterin und Trainerin.
Konzept
Worum es geht
Freud nannte den Traum den Königsweg zum Unbewussten. Anknüpfend daran hat der britische Psxchoanalytiker Gordon W. Lawrence hat Anfang der 1980er Jahre am Londoner Tavistock Institute eine folgenreiche Verschiebung vorgenommen: Er fragte nicht mehr, was ein Traum über die Person verrät, die ihn geträumt hat, sondern was er über die soziale Welt mitteilt, in der geträumt wurde. In der Sozialen Traummatrix erzählen die Teilnehmenden ihre Träume und die Einfälle und Gedanken, die sich dazu einstellen. Aus der Verkettung der Traumbilder und Assoziationen entsteht ein gemeinsames Gewebe aus Gedanken, Erinnerungen und kulturellen Bezügen, über die sich offenbart, was eine Gruppe, ein Team oder eine Organisation aktuell beschäftigt, ohne dass es bislang direkt ausgesprochen werden konnte.
Die Matrix ist dabei keine Gruppe im gewohnten Sinn. Es gibt kein Thema, das abgearbeitet werden müsste, keine Hierarchie der Wortbeiträge, keine Pflicht zur Beteiligung. Die Stühle sind nicht im Kreis, sondern verstreut angeordnet, die Wahrnehmung richtet sich nicht auf die anderen, sondern auf das, was in der Matrix hörbar wird. Gerade diese Zurücknahme macht das Format der Sozialen Traummatrix so zugänglich: Niemand muss sich exponieren, und doch kann vieles zur Sprache kommen.
Warum das für Einrichtungen interessant ist, die mit Menschen arbeiten
Wer in Kita, Schule, Jugendhilfe, Pflege und Altenhilfe, Klinik, Psychiatrie, Beratungsstelle, Behörden, Gemeinde oder im Justizvollzug arbeitet, trägt täglich mehr, als in Dienstbesprechungen Platz hat: die Not der Anvertrauten, ihre Aggression und Hilflosigkeit, das Gefühl, nie genug zu tun, die Spannungen zwischen Auftrag, Ressourcen, und gesellschaftlichen Ansprüchen. Diese Belastungen wandern ins Team und zeigen sich dort als Gereiztheit, Rückzug, Krankmeldungen oder festgefahrene Konflikte, oft ohne dass jemand unmittelbar sagen könnte, woher sie kommen.
Die Soziale Traummatrix bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu diesen gruppendynamischen Prozessen. Die Arbeit mit der Traummatrix setzt von den Teilnehmenden keine Vorkenntnisse voraus und verlangt auch keine Konfliktbereitschaft. Sie bringt, das ist ihre Besonderheit, Lösungen gleich mit – allerdings auf mittelbare und indirekte Weise. Was im Traumbild erscheint und von Assoziationen aufgegriffen wird, muss nicht erst in eine Problemdefinition übersetzt werden, um wirksam zu sein. Eine Matrix, in der zum Beispiel Träume von überfluteten Kellern, abfahrenden Zügen oder einem Fest, zu dem keiner kommt, auftauchen, stößt bereits eine Auseinandersetzung mit latenten Konfliktthemen an, ohne dass die Teilnehmenden sich angreifen. Häufig verändert sich danach etwas im Beziehungsgeschene und im Arbeitsalltag, ohne dass es beschlossen worden wäre.
Hilfe zur Selbsthilfe
Der Workshop verfolgt ein praktisches Ziel: Die Teilnehmenden sollen danach in der Lage sein, Soziale Traummatrizen in ihrer eigenen Einrichtung durchzuführen, gemeinsam mit einer Kollegin oder einem Kollegen als Co-Hosts. Das Format braucht keine externe Leitung, keine aufwendige Ausstattung und wenig Zeit. Eine Matrix von 45 bis 60 Minuten mit anschließender kurzer Reflexion lässt sich in einen Teamtag, eine Klausur oder einen festen monatlichen Termin einbauen.
Das ist besonders für Einrichtungen von Bedeutung, denen die Mittel für eine regelmäßige externe Supervision fehlen. Die Traummatrix ersetzt zwar keine Fallsupervision, sie schafft jedoch einen eigenen, regelmäßig verfügbaren Reflexionsraum, den ein Team selbst tragen kann und der die Aufmerksamkeit für das, was unter der Oberfläche der Arbeit geschieht, lebendig hält.
Und nicht zuletzt: Social Dreaming gehört zu den seltenen Formaten, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer staunen, lachen und sich über die eigenen gedanklichen Verbindungen wundern können. Dieses Vergnügen ist kein Nebeneffekt, sondern Teil dessen, was die Methode wirksam macht.
Elemente des Praxisworkshops im EZI
Die Matrix selbst erleben
Jeder Workshoptag beginnt mit einer Sozialen Traummatrix. Die Teilnehmenden erfahren zunächst selbst, wie das Format wirkt, was es auslöst und wie sich von einer Matrix zur nächsten ein gemeinsames Traumgewebe bildet. Die Reflexion im Anschluss verbindet die primärprozesshafte Erfahrung der Traummatrix mit Beobachtungen und Hypothesen zur Psychodynamik der Traummatrix.
Die Rolle des Hosts erlernen
Im zweiten Schritt übernehmen die Teilnehmenden selbst die Rolle der Gastgebenden (Host). In kleinen Arbeitsgruppen erproben sie alle wesentlichen Elemente der SDM: die Ausformulierung des Einladungstextes und des Eröffnungstextes, das Halten des Zeitrahmens und die Interventionsformen als Host. Die Durchgänge werden gemeinsam ausgewertet.
Reflexion und Transfer
Wie stellt man das Format in einer Organisatione vor, die es nicht kennt? Wie gewinnt man Leitung und Team? Welche Rahmenbedingungen braucht es, welche Grenzen hat die Methode, und wann ist externe Begleitung doch angezeigt? Anhand der Arbeitsfelder der Teilnehmenden werden konkrete Einführungsschritte entwickelt.
Theoretische Grundlagen
Kurze Impulse führen in die Hintergründe ein: Im Mittelpunkt stehen hierbei Freuds Traumtheorie und Lawrences Konzept des Social Dreaming. Die Theorie dient dem Verstehen der Praxis, nicht umgekehrt.
Nutzen für Teilnehmende
Dieser Praxisworkshop bietet Ihnen:
eigene Erfahrung mit der Sozialen Traummatrix
angeleitete Praxis als Host
die Befähigung, Traummatrizen in der eigenen Einrichtung selbst durchzuführen
ein niedrigschwelliges Format für Teams, das keine Vorkenntnisse und wenig Aufwand erfordert
einen Zugang zu verdeckten Belastungen, Konflikten und Ressourcen, ohne Einzelne zu exponieren
eine Möglichkeit, Reflexionsräume auch dort zu schaffen, wo Mittel für regelmäßige Supervision fehlen
konkrete Schritte für die Einführung in der eigenen Organisation
Grundlagenwissen auf Basis der ersten deutschsprachigen Einführung in das Social Dreaming
Zielgruppe
Mitarbeitende und Leitungen aus Einrichtungen, die unmittelbar mit Menschen arbeiten: Kitas und Schulen, Kinder- und Jugendhilfe, Pflege, Altenhilfe und Hospiz, Kliniken und Psychiatrie, Beratungsstellen, Gemeinden und diakonische Einrichtungen, Justizvollzug und Bewährungshilfe. Außerdem Supervisor*innen, Coaches, Organisationsberater*innen, Psychotherapeut*innen und Gruppenleitende, die das Format in ihr Repertoire aufnehmen möchten. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Teilnahme zu zweit aus derselben Einrichtung ist ausdrücklich erwünscht, da so das Tandem für die spätere Durchführung bereits besteht.
Leitung
Dr. Moritz Senarclens de Grancy, Psychoanalytiker, Supervisor und Berater in Berlin, regelmäßig als Social Dreaming Host auf Group Relations Konferenzen tätig. Co-Autor von „Social Dreaming. Einführung in die Arbeit mit der Sozialen Traummatrix für Organisationsentwicklung, Supervision und Gruppentherapie“ (Vandenhoeck & Ruprecht 2023).
Emma Simionato, Beraterin und Trainerin.
Literatur
Moritz Senarclens de Grancy, Ullrich Beumer: Social Dreaming. Einführung in die Arbeit mit der Sozialen Traummatrix für Organisationsentwicklung, Supervision und Gruppentherapie. Reihe Beraten in der Arbeitswelt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2023.
Zielgruppe
Supervisor*innenCoaches
Beratende in beruflichen Arbeitskontexten
Psychoanalytiker*innen und Psychotherapeut*innen
Führungskräfte und Teamleiter*innen
Ärzte und Ärztinnen
Medizinisches Personal
Seelsorger
So., 17.01.2027 | bis 13:00 Uhr
10117 Berlin
Dozent:in(nen)
Auguststr. 80
10117 Berlin

