Einführung in die Theorie und Praxis der psychologischen Beratung mit älteren Menschen
Wir leben in einer Gesellschaft, in der heute bereits mehr als 20% der Bevölkerung älter als 65 Jahre alt sind. Zudem wird mit der Generation der sog. „Babyboomer“ eine Bevölkerungsgruppe älter, die - anders als die Generation der sog. „Kriegskinder“ - viel Erfahrung mit der Inanspruchnahme von Beratungs- und Therapieangeboten hat. Und so dürfte der Anteil älterer Ratsuchender in unseren Beratungsstellen in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit wachsen. Aus diesem Grund möchten wir uns im Rahmen des Seminars mit den vielschichtigen Fragen beschäftigen, die sich aus und in der psychologischen Beratung lebensälterer Menschen, Einzelner und Paare ergeben. Ziel ist es, Ratsuchende hilfreich in den Krisensituationen und Herausforderungen ihres Älterwerdens begleiten zu können.
Konzept
Während des dreitägigen Seminars betrachten wir u.a. folgende Fragestellungen aus theoriegeleiteten und praxisbezogenen Blickrichtungen:
Themen des Älterwerdens: Kaum eine Lebensphase verläuft so heterogen wie unser Älterwerden, und doch gibt es zentrale Themen, Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen, die das Alter(n) begleiten. Was können Forschung und Beratungspraxis darüber sagen?
Alters(vor)bilder und Altersdiskriminierung: Welche Altersbilder und Vorbilder tragen unsere Klient*innen, aber auch wir in uns? Wo und wie zeigen sich individuelle und gesellschaftliche Altersstereotype und Altersdiskriminierung? Und wie beeinflussen diese die psychische Gesundheit älterer Menschen?
Psychische Erkrankungen im Alter: Älterwerden konfrontiert uns nicht nur mit zunehmenden somatischen Erkrankungen. Auch psychische Erkrankungen können das Älterwerden prägen. Was bedeutet das für die Beratungsprozesse?
Ältere Paare in Beratung: Mit welchen altersspezifischen Themen kommen ältere Paare in die Beratung? Was wissen wir über Liebeskrisen von Paaren, aber auch von Einzelnen? Und wie sprechen wir in der Beratung über das oftmals tabuisierte Thema der Sexualität und Intimität im Alter?
Rolle der Berater*innen: In der Beratung treffen älterer Klient*innen oftmals auf jüngere Berater*innen. Was bedeutet das für den Beratungsprozess und die Beziehungsgestaltung? Und welche Rollen spielen dabei eigentlich unsere Erfahrungen mit dem (eigenen) Älterwerden?
Moral, Ethik und Werte: Die Beratung lebensälterer Klient*innen berührt auch Themen, die mit moralischen und ethischen Fragestellungen verbunden sind. Wie gehen wir beispielsweise um mit (Selbst-)Entwertungen im Leben der Ratsuchenden? Welche Bedeutung haben (familiäre) Konflikte rund um Fragen von Unabhängigkeit, Selbstwirksamkeit und Hilfsbedürftigkeit? Und wie umgehen mit dem existentiellen Thema unserer Endlichkeit?
Methoden
Im Rahmen des Seminars nutzen wir u.a. Impulsvorträge, Kurzfilme und den Austausch in der Gruppe zur Vermittlung wesentlicher Aspekte der psychologischen Beratung von älteren Ratsuchenden. Dabei werden wir abwechselnd in der Großgruppe, sowie in Halb- und Kleingruppen arbeiten. Auch Selbsterfahrungsanteile und die Arbeit an Beratungsfällen werden Bestandteil des Seminars sein. Dafür sind die Teilnehmer*innen herzlich eingeladen, eigene Prozesse aus ihrer Beratungspraxis mitzubringen (Einzel- und Paarberatung).
Literatur
Krauß-Matlachowski, Rüdiger (2025). „Und sie trugen Beige bis am das Ende ihrer Tage…?“ Über Herausforderungen und Chancen in der psychologischen Beratung von lebensälteren Menschen. Fokus Beratung, 44, S. 36-45.
Zielgruppe
Fachkräfte der psychologischen Beratung, die in Ehe/Parterschafts-, Familien- und Lebensberatungsstellen und vergleichbaren Institutionen beschäftigt sind und über eine abgeschlossene beraterische oder therapeutische Weiterbildung verfügen.Mi., 14.10.2026 | bis 12:30 Uhr
10117 Berlin
Dozent:in(nen)
Auguststr. 80
10117 Berlin

