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Fr, 09.12.2022 | 14:30 Uhr – Sa, 10.12.2022 | 17:30 Uhr  Kursgebühr: 245 €

Schwierige Begegnungen mit komplizierten Persönlichkeiten

Beratung von Klient*innen mit ich-strukturellen Defiziten

Abstract

Manchmal begegnen wir in der Beratung Klient*innen, die von Anbeginn eine extreme Wirkung auf uns haben. Wir haben den Eindruck, stark idealisiert oder aber getestet zu werden. Oder wir begegnen einem übergroßen Misstrauen, das uns hilflos werden lässt. Oder wir erwischen uns dabei, uns für eine*n Klient*in besonders aufzuopfern und Rettungsfantasien zu hegen. Wir sind weit über die Sitzungszeit hinaus beschäftigt mit der*m Klient*in und ringen um ein Verstehen. Oder uns überkommt während oder nach einer Sitzung auf einmal eine große Angst, Ohnmacht oder

Wut. Wir fühlen uns verstrickt, unter Druck gesetzt und verlieren regelrecht den Boden unter den Füßen.

Starke Gegenübertragungsgefühle sind eine typische Begleiterscheinung in der Beratung von Klient*innen mit ich-strukturellen Defiziten. Unter ich-strukturellen Defiziten verstehen wir Mängel in basalen Ich-Funktionen, etwa in der Wahrnehmung von sich selbst und anderen, in der Gestaltung von Beziehungen, in der Selbststeuerung, in der emotionalen Kommunikation und in der Bindungsfähigkeit. So kommt es vor, dass uns Klient*innen etwas von sich und ihrer Familie erzählen und wir bemerken, dass zwischen eigenen Intentionen und Gefühlen und denen eines anderen Familienmitglieds gar nicht unterschieden wird. Andere Personen können dann nicht als eigenständig denkende und fühlende Wesen wahrgenommen und akzeptiert werden. Vielleicht kann der*die Andere auch nicht als ganzheitlich wahrgenommen werden, Ambivalenzen dieser Person gegenüber werden nicht ertragen, die*der Andere kann nur als „gut“ oder „böse“ erlebt und gedacht werden. Möglicherweise leidet die*der Klient*in zudem unter Impulsdurchbrüchen, lebt risikoreich und selbstschädigend. Vielleicht können Gefühle nicht in ihrer Vielfalt gefühlt und beschrieben werden, die*der Klient*in fühlt sich ihnen heillos ausgeliefert und von ihnen überflutet. Wir bekommen den Eindruck, dass die*der Klient*in kaum mehr über die Fähigkeit verfügt, sich selbst zu beruhigen und zu trösten, man könnte sagen, der*dem Klient*in fehlen gute innere Objekte und die Kompetenz der Selbstfürsorge und -verantwortung. And last but not least wird in der Beratung rasch sicht- und spürbar, dass die*der Klient*in innere Spannungszustände nicht aushalten kann und sie daher in äußeren Konflikten externalisiert und inszeniert – und diese Tendenz macht auch vor der Beratungsbeziehung nicht halt.

Wie wir strukturelle Defizite in ihrer Genese und Psychodynamik verstehen können, wie wir mit strukturellen Defiziten in der Beratung arbeiten können, welche innere Haltung wir einnehmen sollten, um nicht allzu destruktiv verstrickt zu werden, und welche Form der Selbstfürsorge in der Beratung strukturell-defizitärer Klient*innen wichtig wird, soll Inhalt des Seminars werden. Eigene Fälle der Kursteilnehmenden können gern mit eingebracht werden.

Zielgruppe

Psychologische Berater*innen der Ehe-, Lebens-, Familien- und Erziehungsberatung.

Dozent*in(nen): Dr. Melanie Ratzek

Anmeldung

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