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Mi, 27.05.2020 | 14:30 Uhr – Fr, 29.05.2020 | 12:30 Uhr  Kursgebühr: 320 €

„Hörst Du das kleine Nashorn weinen?“

- ein psychodramatischer Interventionsansatz mit Tierfiguren bei Kindern im Trennungs-/Scheidungskonflikt

Konzept

Trennung und Scheidung gehören für Kinder und Jugendliche zu den kritischsten Lebensereignissen, die sie so sehr belasten, dass sie alle zur Verfügung stehenden Ressourcen benötigen. Meist sind Eltern in dieser Situation selbst so belastet, dass sie nicht angemessen auf ihre Kinder reagieren können. Daher stellt eine Trennung der Eltern ein hohes Entwicklungsrisiko für Kinder dar. Wie wichtig hier professionelle Hilfe ist, zeigt die Tatsache, dass ein Kind nach Trennung oder Scheidung ein 30fach höheres Risiko hat, später in einem Heim untergebracht zu werden. Auch in den Erziehungsberatungsstellen haben über 40% der vorgestellten Kinder eine Trennung ihrer Eltern erlebt.

Eltern kommen in die Beratung, weil ihr Kind nach der Scheidung Probleme macht, und wollen, dass es möglichst schnell symptomfrei wird. Oder sie klagen, dass das Kind nach dem Besuch beim anderen Elternteil völlig durcheinander sei, und wünschen, die Besuche einzustellen. Oder sie kommen, weil das Kind den Besuch verweigert oder Probleme mit dem neuen Partner hat. Andere fordern den Umgang ein und klagen, dass der andere Elternteil die Kontakte boykottiert.

Da Kinder im Trennungs- und Scheidungskonflikt das schwächste Glied sind und den höchsten Preis zahlen, muss eine Beratung der Kinderperspektive und dem Kindeswohl verpflichtet sein.

Inhalt

In diesem Seminar wird die Methode des Kinderpsychodramas an Beispielen von Trennungs-/Scheidungskonflikten vorgestellt.
Auf spielerische Weise werden die Bedürfnisse und Reaktionen mit den Kindern, Jugendlichen und Eltern thematisiert und visualisiert.
Über Tierfiguren können die heftigen Gefühle, die die Trennung der Eltern auslösen, wie Trauer und Angst, Wut und Rache, Verlust und Kränkung, Sehnsucht und Verzweiflung externalisiert und gemeinsame Lösungen erarbeitet werden.

Über diese emotionale Ebene lassen sich Eltern eher von den berechtigten Anliegen ihrer Kinder berühren, verstehen ihre heftigen Gefühle und können sie leichter akzeptieren. Auch sie sind eher bereit, an einer besseren Umgangslösung zu arbeiten.

In diesem Workshop beschäftigen wir uns darüber hinaus

  • mit den Konflikten, die bei den Besuchen beim getrennten Elternteil entstehen können,
  • mit den Problemen mit neuen Partnern und zusammengesetzten Familien,
  • mit den Konflikten, die durch ein psychisch krankes, suchtkrankes, gewalttätiges oder missbrauchendes Elternteil hervorgerufen werden.

Arbeitsweise
Die Arbeitsweise ist praxisbezogen und orientiert sich an den Beratungserfahrungen der Teilnehmenden. Der psychodramatische Ansatz wird zunächst an einem Fallbeispiel demonstriert und anschließend in verschiedenen Übungsbeispielen praktiziert. An Fallbeispielen aus der Beratungspraxis der Teilnehmenden wird gezeigt, wie verschiedene Probleme und Schwierigkeiten in der Trennungs-/Scheidungssituation mit den Tierfiguren thematisiert und behandelt werden können. Diese Interventionen können im Rollenspiel ausprobiert werden. Abschließend sollen Fragen der Einsatzmöglichkeiten und auch der Grenzen erörtert werden.
 
Literaturhinweis
Aichinger, A.: Die Sehnsucht des kleinen Bären, Informationen für Erziehungsberatungsstellen, 1/2006, S.16-25
Aichinger, A.: Einzel- und Familientherapie mit Kindern, Kinderpsychodrama Band 3. Wiesbaden 2012 (Springer VS Verlag)
 
Zielgruppe
Fachkräfte der Ehe-, Familien-, Lebens-, Erziehungs- und Jugendberatung.

Dozent*in(nen): Alfons Aichinger

Anmeldung

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