Grundkurs
Grund- und Vertiefungskurs orientieren sich formal und inhaltlich am Curriculum 1 "Sexuologische Basiskompetenzen" der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS), siehe auch www.dgfs.info, es besteht die Möglichkeit der Zertifizierung durch die DGfS.
Wichtiger Hinweis: Der Grundkurs kann auch ohne den Vertiefungskurs besucht werden.
Sexuelle Funktionsstörungen kommen häufig vor, ja gehören zu den häufigsten psychosomatischen Störungen überhaupt. Dennoch wird in Beratungen, in Psychotherapien und bei Arztbesuchen weiterhin nur selten über diese Probleme gesprochen.
In unserem Kurs „Sexualberatung“ möchten wir ein Basiswissen vermitteln, um mit sexuellen Problemen im Beratungskontext umzugehen. Erklärtes Ziel ist es zu vermitteln, wie in einer achtsamen, respektvollen und doch genauen und konkreten Weise über die sexuellen Probleme gesprochen werden kann.
Auch geht es darum, zu verstehen, wie Sexualität gelernt wird und im Zusammenhang steht mit frühen und frühesten Erfahrungen.
Und es geht um die Frage, wie Sexualität neu gelernt und umgelernt werden kann, wenn sie unbefriedigend geworden ist oder schon immer unbefriedigend war.
Es geht um die Vermittlung fachlicher Kompetenz, um Wissen über sexualmedizinische Themen:
Welche Ursachen kann Lustlosigkeit haben? Welchen Einfluss haben moderne Medien auf die individuell und partnerschaftlich gelebte Sexualität? Was ist bekannt über sexuelle Probleme nach der Geburt? Welche Ursachen können Erektionsstörungen haben? Welche Auswirkungen haben psychische und körperliche Krankheiten auf sexuelle Funktion und sexuelles Erleben?
Es werden niederschwellige Interventionsstrategien für die Beratung dargestellt, andererseits aber auch deutlich gemacht, wann zur Sexualtherapie oder zur medizinischen Abklärung überwiesen werden sollte.
Ziel unseres Kurses ist es, über den Zugewinn an fachlicher Kompetenz mehr Mut für die Auseinandersetzung mit den sexuellen Problemen der KlientInnen/PatientInnen zu machen.
Neurobiologische und körpertherapeutische Erkenntnisse über die Wechselwirkung von Körper und Psyche werden einbezogen. So helfen uns z. B. die Theorie des Körpergedächtnisses (s. J. Bauer: „Das Gedächtnis des Körpers“), die Theorie des „Embodiment“ (Hüther et. al.) wie auch Beobachtungen von Körpertherapeuten und Säuglingsforschern wie George Downing und Daniel Stern, sexuelles Lernen, sexuelle Entwicklung und sexuelle Kommunikation besser zu verstehen und sexuelles Umlernen zu fördern.
Sexualität ist Kommunikation mit dem Körper und durch den Körper.
Wir Menschen sind soziale Wesen; wir sind auf Kommunikation angewiesen - auch auf Kommunikation mit unserem Körper. Sexualität ist eine wichtige Form der Kommunikation mit und über den Körper. Über Sexualität werden menschliche Grundbedürfnisse nach Nähe und Kontakt, nach Berühren und Berührt werden, aber auch nach Auseinandersetzung und Abgrenzung erfüllt. Themen wie Beziehung, Akzeptanz, Anziehung und Geborgenheit bestimmen mit darüber, wie wohl es uns ist und wie glücklich oder unglücklich wir sind. Sexualität hat neben der Funktion der Fortpflanzung und neben der Funktion, Lust zu erleben und zu bereiten, eine zutiefst soziale Funktion.
Hinter vielen Auseinandersetzungen bei Paaren lässt sich der Wunsch der Partner erkennen, vom anderen gesehen und beantwortet zu werden. Das Sprechen über sexuelle Probleme in der Beratung ist für viele Paare der erste wichtige Schritt, dieses Gesehen und Beantwortet werden auf der körperlichen Ebene wieder möglich werden zu lassen.
Thematische Schwerpunkte
Grundlagen:
Gesellschaftliche und kulturelle Grundlagen der Sexualität
Anatomische und physiologische Grundlagen der Sexualität
Mögliche Verläufe der sexuellen Reaktion bei Frauen und Männern
Geschlechtsspezifische Unterschiede im sexuellen Erleben und Verhalten
Sexuelle Störungen:
Überblick über sexuelle Funktionsstörungen: Symptomatik, Ursachen, Dynamik, mögliche Behandlung
Ursachen der Lustlosigkeit bei Frauen und Männern/ Beratungsstrategien
Ursachen und Beratungsstrategien bei Erektionsstörungen
Erregungs- und Orgasmusstörungen bei Frauen und Männern
Körperliche und psychische Ursachen von Schmerzen beim Verkehr
Themenzentrierte Selbstreflexion:
Auseinandersetzung mit eigenen Einstellungen, Normen und Bildern im Zusammenhang mit Sexualität
Möglicher Einfluss des Geschlechts des Beraters/der Beraterin auf den Ablauf der Beratung
Beratungskompetenz:
Sexualanamnese: Wie kann man eine gemeinsame Sprache finden, um über sexuelles Erleben und Verhalten zu sprechen? Was sollte abgeklärt werden? Welche Informationen sind nötig? Gesprächsführung und Interventionen im Einzel- und Paargespräch, Entwicklung einer Sexualberatung
Arbeitsweise
Die Arbeitsweise ist praxisorientiert: Inputreferate zur Theorievermittlung, Rollenspiele, themenzentrierte Selbstreflexion, Falldemonstrationen, auch anhand von Videos der Kursleiterin.
Empfohlene Vorbereitung
Literaturstudium:
Ecker, D.: Aphrodites Töchter. Kösel-Verlag, 2000
Buddeberg, C.: Sexualberatung. 4. Aufl. - Stuttgart: Thieme, 2005
Hauch et. al.: Paartherapie bei sexuellen Störungen - Das Hamburger Modell: Konzept und Technik. - 4. Aufl. - Stuttgart: Thieme, 2006
Bauer, J.: Das Gedächtnis des Körpers, Piper-Taschenbuch, 11. Aufl. 2007
Zertifizierung
Die Zertifizierung wird bei Bedarf durch die Psychotherapeutenkammer im Land Berlin beantragt.
Zusätzlich können die Teilnehmer durch den Besuch von Grund- und Vertiefungskurs das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) für das Curriculum 1 „Sexuologische Basiskompetenzen" erwerben.
Zielgruppe
In der Regel wird eine abgeschlossene Hochschulausbildung in einem Heil- oder Sozialberuf
(z. B. ÄrtzIn, PsychologIn, SozialarbeiterIn etc.) oder eine gleichwertige Ausbildung vorausgesetzt.