Weiterbildung in Psychosozialer Beratung im Kontext pränataler Diagnostik (PND) - Beratung vor, während und nach pränataler Diagnostik -
Die Methoden der pränatalen Diagnostik (PND) werden zunehmend als Routineuntersuchungen in der Schwangerenvorsorge angeboten und kommen dabei scheinbar dem Bedürfnis der betroffenen Frauen bzw. Paare wie auch des behandelnden medizinischen Personals nach Sicherheit und Perfektion entgegen. Jedoch sind schwangere Frauen und ihre Partner ungenügend vorbereitet auf die sich möglicherweise daraus ergebenden vielfältigen seelischen Belastungen, ethischen Konflikte und Entscheidungszwänge. Vielen war nicht bekannt, dass es nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz einen Rechtsanspruch auf Information und Beratung „... in allen eine Schwangerschaft unmittelbar oder mittelbar berührenden Fragen...“ gibt (SchKG § 2). Um den Rechtsanspruch auf Beratung besser zu verankern, hat der Deutsche Bundestag eine Veränderung im SchKG § 2 vorgenommen, die am 1.1.2010 in Kraft getreten ist. Jetzt müssen Ärztinnen und Ärzte bei einem pränataldiagnostischen Befund u. a. auf eine psychosoziale Beratungsmöglichkeit verweisen, oder sogar selbst vermitteln.
Aus diesen Gründen bietet das EZI eine mehrteilige interdisziplinäre Weiterbildung an. Sie wurde von 2002 bis 2005 im Rahmen eines vom BMFSFJ geförderten Modellprojekts entwickelt, durchgeführt und evaluiert.
Der Abschlussbericht zum Modellprojekt „Entwicklung, Erprobung und Evaluation eines Curriculums für die Beratung im Zusammenhang mit vorgeburtlichen Untersuchungen (Pränataldiagnostik) und bei zu erwartender Behinderung des Kindes“ ist einzusehen unter: http://www.ezi-berlin.de/untersuchungen.htm
Beraterinnen und Berater in der Schwangerschaftskonfliktberatung, in der Einzel- und Paarberatung und im seelsorgerischen Bereich sind nach den behandelnden bzw. diagnostizierenden Ärztinnen und Ärzten in Konfliktsituationen AnsprechpartnerInnen für Betroffene. Doch oft fühlen sie sich selbst nicht ausreichend informiert, auch überfordert, oder haben Berührungsängste angesichts der gesellschaftlich tabuisierten Thematik. Die notwendige Kooperation und Vernetzung zwischen den verschiedenen mit PND betrauten Professionen ist an vielen Orten zu verbessern.
Neben der Vermittlung von beraterischer Kompetenz ist ein wesentliches Ziel der Weiterbildung, die Teilnehmenden zu befähigen, Kooperation und Vernetzung mit den Berufsgruppen herzustellen, die ebenfalls mit PND befasst sind.
Konzept
Die Weiterbildung ist praxisorientiert. Sie vermittelt beraterische Kompetenz und Kooperationsfähigkeit auf dem Hintergrund von tiefenpsychologischen, systemischen und ethischen Verstehenszusammenhängen sowie den Umgang mit medizinischen, rechtlichen, ethischen, heil- und sonderpädagogischen Grundkenntnissen und Perspektiven.
Sie erfordert die Bereitschaft zur kontinuierlichen persönlichen und ethischen Auseinandersetzung mit der Thematik Schwangerschaft, Geburt, Abbruch, Behinderung, Erkrankung, Verlust, Trauer, Tod und Töten, Schuld und Vergebung und mit der Erkenntnis, dass es um „unmögliche Entscheidungen“ geht. Der Wunsch zu respektvoller Zusammenarbeit und Dialogfähigkeit mit den anderen Professionen und zum kontinuierlichen Aufbau eines Kooperationsnetzes vor Ort ist notwendig.
Arbeitsweise
Theorie- und Wissensvermittlung sowie Austausch mit den verschiedenen mit pränataler Diagnostik befassten Berufsgruppen im Plenum.
Kleingruppenarbeit: Praktisches Üben und Vertiefung der Thematik im Rollenspiel. Fallbesprechung anhand eigener und fremder Fälle.
Kontinuierliche Selbsterfahrung und ethische Reflexion.
Selbststudium zur Kursvorbereitung zu vorgegebenen Themenschwerpunkten.
Zielgruppe
Erfahrene Beratende aus der Schwangeren-, Schwangerschaftskonfliktberatung, Paar-, Ehe-, Familien-, Lebensberatung, Seelsorgerinnen und Seelsorger, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Ärztinnen, Ärzte und Hebammen, die sich für die psychologisch-psychosoziale Beratung im Kontext pränataler Diagnostik qualifizieren wollen.
Aufbau
Die Weiterbildung erstreckt sich über einen Zeitraum von 2 1/2 Jahren. Vorgeschaltet ist ein Informations- und Einführungsseminar, das mit der Thematik vertraut macht und der persönlichen Entscheidungsfindung zur Teilnahme an der gesamten Fortbildungsreihe dient.
Die Weiterbildung besteht aus:
- Einführungsseminar
- 3 einwöchigen Intensivkursen
- 4 zweieinhalbtägigen Workshops
- mindestens 10 Tagen Praxiserfahrung bzw. Hospitation in den verschiedenen mit PND befassten Praxisfeldern (z. B. pränataldiagnostische bzw. gynäkologische Schwerpunktpraxen/Kliniken, humangenetische Beratungsstellen/Institute, Behinderteneinrichtungen, Selbsthilfegruppen, Klinikseelsorge), die gleichzeitig dem Aufbau regionaler Kooperations- und Vernetzungsstrukturen dient
- weiterbildungsbegleitender Beratungspraxis vor Ort
- weiterbildungsbegleitender Supervision
(Programmänderung vorbehalten)
Abschluss
Zum Abschluss gehören:
- 3 schriftliche Fallberichte über je eine Beratung im Kontext vor, während, nach pränataler
Diagnostik
- ein abschließendes Kolloquium
Der erfolgreiche Abschluss wird zertifiziert.
Zertifizierung
Die Zertifizierung wird bei Bedarf durch die Psychotherapeuten- und Ärztekammer im Land Berlin beantragt.
Kosten
Kursgebühren für Kurse, Workshops und Einführungs- und Informationskurs
(inkl. Pausenverpflegung) insgesamt € 2.440,--
(Kursgebühr pro Kurs € 430,--, pro Workshop € 250,--, Einführungs- und Informationskurs € 150,--)
Informationen
Evangelisches Zentralinstitut für Familienberatung gGmbH
Michaela Bärthel (Kurssachbearbeiterin)
Sabine Hufendiek (Dozentin)
Annelene Meyer (Dozentin)
Teilnehmerzahl bis 24
Weiterbildungsteam
Renate Brünig, Sabine Hufendiek, Annelene Meyer,
sowie GastdozentInnen