Konfliktzentrierte und strukturbezogene Beratungsmethodik mit Kindern und Jugendlichen
Die psychotherapeutische Einzelarbeit mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Erziehungsberatung findet in einem komplexen sozialen Feld statt, das einen eigenständigen diagnostischen und methodischen Zugang erfordert und von Beraterinnen und Beratern die Handhabung einer Vielzahl diagnostischer und methodischer Aufgaben verlangt:
- Indikations- und Settingfragen müssen gründlich reflektiert werden, um sicher zu stellen, dass die psychotherapeutische Einzelarbeit mit dem Kind bzw. Jugendlichen die Beratungsmethode mit der größten Effizienz ist.
- Fragen der Abstinenz oder der Geheimhaltung müssen geklärt werden, um unter Beachtung der Schweigepflicht die Arbeit mit Eltern und Kindern konstruktiv und therapeutisch produktiv zu gestalten.
- Intensive diagnostische Kenntnisse sind notwendig, um konfliktbedingte und strukturbezogene kindliche Störungen voneinander unterscheiden zu können. Dies setzt voraus, dass Beraterinnen und Berater in der Lage sind, die unbewusste Dynamik kindlicher Triebwünsche und Objektvorstellungen ebenso zu verstehen wie wichtige strukturelle Dimensionen der Persönlichkeit und deren Einschränkung zu erfassen.
- Um das kindliche Spiel im Rahmen konfliktzentrierter Beratungsprozesse so zu gestalten, dass Konfliktbewältigung und Persönlichkeitsreifung möglich wird, müssen Beraterinnen und Berater in der Lage sein, sich empathisch auf die Spielwelt des Kindes oder Phantasiewelt des Jugendlichen einzulassen und zugleich die eigenen Gefühle unter Kontrolle zu halten. Dies setzt ein profundes Verständnis für Übertragungsprozesse einerseits und eine stabile Selbstregulation des Beraters andererseits voraus.
- Strukturbezogene Störungen bringen spezifische methodische Anforderungen an die Beziehungsgestaltung mit sich, da die bestehenden inneren Widersprüchlichkeiten des Jugendlichen nach außen verlagert und dort bekämpft werden. Dies führt auch im Beratungsprozess zu Aggressionen, Spaltungen und verschiedenen anderen „schwierigen“ Verhaltensweisen. Eine strukturbezogene Beratungsmethodik ist notwendig, um strukturelle Einschränkungen zu überwinden.
Die fünfteilige Fortbildung qualifiziert Beraterinnen und Berater sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der Beratung und Therapie von Kindern und Jugendlichen. Sie zielt darauf ab, in der Einzelarbeit mit Kindern und Jugendlichen relevante diagnostische Perspektiven zu erlernen und befähigt die Teilnehmenden, sowohl eine konfliktzentrierte als auch strukturbezogene Beratungsmethodik zu erwerben.
Konzept
Die Fortbildung ist praxisorientiert und basiert auf psychoanalytischen und systemischen Verstehens- und Handlungsmodellen ebenso wie auf den Diskussionen der entwicklungspsychologischen Theory-of-Mind-Forschung.
Charakteristisch ist die enge Verknüpfung von Theorievermittlung, Beratungsmethodik und Üben beraterisch-therapeutischen Handelns.
Ziel ist eine grundlegende Kompetenzerweiterung der Teilnehmenden für das spezifische Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendlichenberatung im Kontext der Erziehungsberatung.
Arbeitsweise
Didaktisch erfolgt die Arbeit im Wechsel von Gesamtgruppe, festen Arbeits- und unterschiedlichen Kleingruppen. Dabei wechseln sich Theorievermittlung, Demonstrationen, Skulpturarbeit, Rollenspielübungen und Fallarbeit mit Supervision und Intervision an eigenen Fällen der Teilnehmenden ab. Themenbezogene Selbsterfahrungsübungen ergänzen den Lernprozess.
Zielgruppe
- Beraterinnen und Berater aus Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatungsstellen
- Niedergelassene Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten
- Beraterisch-psychotherapeutisch Tätige in Arbeitsfeldern, die Einzelarbeit mit Kindern und Jugendlichen praktizieren
Voraussetzung ist ein eigenständiger Zugang zu kontinuierlicher Praxis in der Beratung und Therapie von Kindern und Jugendlichen seitens der Teilnehmenden.
Aufbau
Die Fortbildung besteht aus fünf einwöchigen, aufeinander aufbauenden Kursen, die jeweils in ca. halbjährigem Abstand stattfinden. Thematisch sind die Kurse orientiert am Prozess der Beratung (Eingangs-, Mittel- und Schlussphase), der unterschiedlichen Methodik konfliktzentrierter und strukturbezogener Beratung und der Unterschiede in der Arbeit mit Kindern bzw. Jugendlichen.
Die kontinuierliche Reflexion der eigenen Praxis der Teilnehmenden durch Fallvorstellungen und Intervision in Kleingruppen ist integraler Bestandteil der Fortbildungskurse.
Zwischen den einzelnen Kursteilen soll fortlaufend die Möglichkeit zur Durchführung von Beratungsprozessen mit Kindern und Jugendlichen bestehen. Eine begleitende Supervision z. B. in Regionalgruppen wird angeregt.
Abschluss
Die Teilnehmenden erhalten das Abschlusszertifikat, sofern sie im Verlauf der Fortbildung drei schriftliche Falldokumentationen über selbständig durchgeführte Beratungs- bzw. Therapieprozesse eingereicht haben.
Vertiefungskurs zum Erwerb des IFB-Diploms
Das Fortbildungsangebot ist besonders geeignet zur Aneignung vertiefter Kompetenzen und Kenntnisse in der Beratungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Das Seminar wird im Rahmen des IFB-Diploms als Vertiefungskurs anerkannt.
Zertifizierung
Die Zertifizierung wird bei Bedarf durch die Psychotherapeutenkammer im Land Berlin beantragt.
Informationen
Über die Fortbildung in Kinder und Jugendlichenberatung informiert:
Evangelisches Zentralinstitut für Familienberatung gGmbH
Michaela Bärthel (Kurssachbearbeiterin) Tel.: 030/28 395-270, e-mail: Baerthel@ezi-berlin.de
Teilnehmerzahl 18
Fortbildungsteam
Gabriele Lennarz, Dr. Ingeborg Volger